Der Trainer als everybody’s darling?

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Vor kurzen rief mich eine Kundin an und teilte mir unter anderem mit, warum sie gerade mit mir arbeiten möchte. Ich sei hartnäckig genug im Training gewesen und das sei eine wichtige Voraussetzung. Andere Kollegen würden oft zu schnell aufgeben.

Situationen wieder und wieder zu simulieren, ist manchmal nicht einfach. Insbesondere Trainer sind darauf bedacht, dass die Teilnehmer sie mögen. Dazu bei tragen die Feedbackbögen, die zum Ende des Seminars verteilt werden. In kaum einem anderen Job stellt man sich der Kritik so regelmäßig und unmittelbar. Ob das direkte Feedback auch immer echt und konstruktiv ist, wage ich zu bezweifeln.

Es sollte zumindest nicht dazu führen den inneren Antreiber zu stärken „Mach es allen recht“. Denn genau dazu bin ich als Trainerin nicht gebucht worden. Im Gegenteil, oft werde ich dafür bezahlt, dass ich auch mal unangenehme Dinge anspreche. Kann schon sein, dass das den Teilnehmern nicht immer recht ist.

Schön aber, dass diese Kundin das erkannt hatte.

Veränderung erzeugt natürlich auch Wiederstand und so geht es aus meiner Sicht nicht darum, positive Teilnehmerfeedbacks um jeden Preis zu generieren.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Meine Teilnehmerfeedbacks sind zu über 96% sehr gut, aber das sollte nicht der alleinige Fokus sein. Wenn ich als Trainerin nur darauf bedacht bin, dass die Teilnehmer mich mögen, bin ich sehr eingeschränkt in dem, was ich sage und tue. Die Teilnehmerzufriedenheit ist sicherlich ein wichtiger Punkt, darf aber nicht dazu führen, dass der Trainer sich nicht mehr traut Konflikt anzusprechen oder schwierige Situationen zu thematisieren.

So hatte ich zum Beispiel eine Teilnehmerin im Seminar, die sehr unzufrieden mit dem Verlauf war und auch Feedback (immer wertschätzend natürlich) bekam, das sie sehr nachdenklich gestimmt hat. Zum Ende des Seminars gab sie negatives Feedback zu der Veranstaltung, das sich auch im Feedbackbogen niederschlug. Einige Wochen später war ihre Kollegin bei mit im Semirnar. Sie kam auf mich zu mit den Worten: „Frau Markstahler, ich soll sie übrigens von Frau x grüßen und ihnen danke sagen für das Seminar, an dem sie teilgenommen hat. Sie sagte mir, sie habe bei keinem Seminar bisher soviel über sich selbst gelernt und kann jetzt auch im Job einiges anders und positiver gestalten.“

Manchmal braucht es auch etwas Zeit, um Dinge zu reflektieren und zu verarbeiten….

 

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